WestGermany -

Büro für postpostmoderne Kommunikation



Das Non-profit-Projekt WestGermany hat seine Zentrale in einer zertrümmerten Arztpraxis mitten in Berlins sozialem Brennpunkt Kottbusser Tor. Die konzeptuelle Auswahl und Gestaltung der Räumlichkeiten bezieht sich auf die dekonstruktive Avantgarde der 70er und 80er Jahre (Matta-Clark / Metzel / Foucault / DeleuzeGuattari / Derrida..).

Hier befragt es als utopisch-heterotopischer Ort und als Institution für zeitgenössische Kunst und Musik die relevanten Symptome gesellschaftlicher Ein- und Umbrüche. Das Label “WestGermany” steht dabei symbolisch-provokativ für eine verblassende BRD-Romantik und Erinnerungspur zwischen “vage-wehmütiger Retro-Reverie, differenzinduzierender Wiederholung, Verzweiflung, Langeweile, Kitsch und gegenwärtiger Selbstidentifikation”. WestGermany sucht mit Ironie und Humor nach immanenter Überschreitung und Ausnahme, versucht sich einem Jetzt der Erkennbarkeit an-zubewegen und wirkmächtige Mythologien zu ent-sorgen.

Mit GruppenAusstellungen werden sitespezifische Faktoren und Potentiale am Kotti aufgegriffen und künstlerisch verstärkt, mit Aktions- und Projektkunst idealistische Antidepressiva gegen neoliberale Ideologie, realitätsbedingte Motivationstraumata und drohende Wirtschaftsrezession bereitgestellt und Breschen in die unmittelbare Umgebung zu schlagen versucht und über diese Brücken baut. Mit einem internationalen Programm von Performances formulieren wir unsere Motivation als hetero-utopisches Gemeinschaftsprojekt verschiedener subkultureller Szenen weiter aus. WestGermany ist PostPunkRockIndieHiphop-ElektronikExperimentalLebensraum mitten im Herzen der heruntergewirtschafteten und dennoch blühenden urbanarchitektonischen Sozial-Vision des ZENTRUM KREUZBERG-Gebäudes, einem stadtplanerischen Dinosaurier einer optimistischeren Epoche.


Wir wollen kritische, sozial-engagierte, für ein weites und verschiedenstes Publikum offene interaktive Kunst in Anlehnung an postmoderne Avantgarden (s.o., New Genre Public Art, Situationismus) und deren aktuellen Strömungen, als deren zeitgenössische Aktivisten wir uns sehen. Diesen ging und geht es u.a. um realen demokratischen Austausch und Überwindung sozialer Barrieren in der Kunst, also um eine soziale Kunst im strikten Sinne, die starke, nicht nur ästhetische, sondern auch emotionale Bindungen, Symbolisierungen und Realisierungsmöglichkeiten von solidarischen Werten wie auch von individualbewusstseinsmäßigen Freiräumen für Spontaneität und Utopie, für Selbstorganisation und Herstellung von (Gegen-) Öffentlichkeiten erzeugt.

Wir wollen nicht öffentlich geförderte Skulpturen, die in den öffentlichen Raum gepflanzt werden und letztlich doch nur den musealen Raum oder den des Kunstmarkts erweitern. Wir möchten, dass die Beziehung zwischen KünstlernInnen und dem Publikum selbst zum Kunstwerk wird. Künstlerische Praxis muss – bei aller verbleibenden ästhetischen Sensibilität als Arbeitsbasis – so wie politische oder soziale Aktivitäten vorgehen und sich mit den wichtigsten und brennendsten Fragen unserer Zeit: soziale Gerechtigkeit, Arbeit, Obdachlosigkeit, Migration und kulturelle Identität, Umweltverschmutzung, Krieg, direkt auseinandersetzen. „Kritische Kunst heute ist Haltung, nicht Stil“ (Barbara Straka); und unsere dezidierte Haltung der Dekonstruktion (i.S. Derridas) befähigt uns umso mehr zu konstruktiver Aktion.

Kunst muss emanzipatorisch und partizipatorisch sein. Wir versuchen ein Forum zu schaffen für die Gleichzeitigkeit von „hoher Kunst“ und Kiezkultur. In diesem Sinne sind wir ein Treffpunkt, ein Austausch-Raum, ein Umschlagplatz genau an diesem Ort: Kottbusser Tor.